Formvorschriften §§125ff.

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Formvorschriften §§125ff. von Mind Map: Formvorschriften §§125ff.

1. Grundlagen

1.1. Grundsatz: Formfreiheit, Privatautonomie

1.2. Funktionen

1.2.1. Warnfunktion

1.2.1.1. §766 BGB

1.2.2. Klarstellungs- und Beweisfunkion

1.2.2.1. §550 BGB (oder Verweisung §578)

1.2.2.1.1. hier keine Anwendung des §125 auf Vorvertrag

1.2.3. Belehrungs- und Beratungsfunkion

1.2.3.1. §311 b Abs. 1

1.3. Auslegung §§133,157

1.3.1. BGH vertritt die bei Auslegung formbed. RG die Andeutungstheorie

1.3.1.1. Ausnahmen.: "Falsa Demonstratio" bei Grundstückskauf z.B. falsche Parzelle angegeben

1.3.1.2. Umstände außerhalb der Urkunde können nur herangezogen werden, wenn zumindest unvollständiger Ausdruck in Schriftstück

2. Grenzfälle

2.1. Maklerverträge

2.1.1. eigentlich nicht, weil nicht an Verkauf gebunden, ABER

2.1.2. Arg.: faktischer Zwang zum Abschluss bei hoher Vertragsstrafe

2.1.3. Arg.: Umgehung der Warnfunktion

2.1.4. sie §339ff.

2.2. GbR Gesellschaftsverträge

2.2.1. wenn Übertragung v. Grundstück schon im Vertrag selbst festgelegt

2.2.2. bei Eintritt, wenn dieser von Erbringung eines Grundstücks abhängig gemacht wird

2.2.3. nicht beim Eintritt, wenn Grundstück schon zum Gesellschaftsvermögen gehört

2.2.3.1. Arg.: §738 Anwachsen ist kein rechtsgeschäftlicher Erwerb

2.3. Aufhebung von formbedürftigen Rechtsgeschäften (Bsp.: §311b)

2.3.1. KV wurde schon vollzogen

2.3.1.1. Aufhebung ist formbedürftig §311b

2.3.1.2. Arg.: wie jeder andere Grundstücksvertrag

2.3.2. KV wurde noch nicht vollzogen

2.3.2.1. Aufhebung formlos möglich

2.3.2.2. Arg.: Schutzzweck des §311b nicht berührt (Warnfunktion)

2.3.3. KV nicht vollzogen, aber AWR erworben

2.3.3.1. Formbedürftigkeit str.

2.3.3.1.1. e.A. (+)

2.3.3.1.2. h.M. (-)

2.4. §167 Abs. 2

2.4.1. in best. Fällen: teleologische Reduktion

2.4.1.1. Arg.: Umgehung der Warnfunktion (s.u.)

2.4.2. BGH: Umgehung des §766 "Blankovollmacht"

2.4.3. BGH: bei Umgehung des §311b Abs. 1 "unwiderrufliche Vollmacht"

2.5. Stellvertretung ohne Kenntlichmachung

2.5.1. Bsp.: Vertreter V unterschreibt Bürgschaft im Namen des Hintermanns "Bü" ohne Kürzel (i.V.,i.A.)

2.5.2. Sonderfall: Mietverträge

2.5.3. Stellv wirksam?

2.5.3.1. e.A. (-)

2.5.3.1.1. Arg.: Vertrauensschutz, Unterzeichner wird auch als Aussteller einer WE erwartet

2.5.3.2. h.M. (+)

2.5.3.2.1. Arg.: Gewohnheitsrecht, Interessen sind gewahrt

2.5.4. Schriftform gewahrt?

2.5.4.1. h.M. (+)

2.5.4.1.1. Arg.: Gewohnheitsrecht

2.5.4.2. a.A. (-)

2.5.4.2.1. Arg.: klarer Wortlaut "vom Aussteller eigenhändig"

3. Varianten

3.1. gesetzliche Schriftform, §126

3.1.1. Unterschrift

3.1.1.1. Fax, Computerfax

3.1.1.1.1. §130 ZPO

3.1.1.2. (P) elektronisch signierte Mail

3.1.2. gleiche Urkunde (Tackerproblem)

3.1.2.1. körperliche Verbindung der einzelnen Blätter

3.1.2.2. Paginierung und fortlaufende Nummerierung der einzelnen Bestimmungen

3.1.3. Bsp.: arbeitsrechtliche Kündigung §623

3.1.4. Kündigung von Wohnraum-Miete §568

3.1.5. elektronische Form, §126a

3.1.5.1. Signatur nach SigG = Sicherungsmittel

3.1.5.1.1. Zertifikat + Signaturkarte

3.1.5.2. De-Mail = sicheres Transportmittel zwischen 2 De-Mail-Konten

3.1.5.2.1. Akkreditierungsverfahren + Chipkarte

3.1.5.2.2. optional Absenderbestätigung

3.1.5.3. Beweis im Prozess

3.1.5.3.1. mittels Augenschein nach §371 Abs. 1 S. 2 ZPO von Datenträger

3.1.5.3.2. oder Papierausdruck nach freier Beweiswürdigung §286 Abs. 1ZPO

3.1.5.3.3. §§371a ,371b ZPO echte Urkunde = Beweisregeln nach §286 Abs. 2 ZPO

3.1.5.4. nur nat. Personen

3.1.5.4.1. eiDAS-VO: auch jur. P mit elektronischem Siegel

3.2. Textform, §126b

3.2.1. zur dauerhaften Wiedergabe geeignet

3.2.1.1. Mail (+)

3.2.1.1.1. Beweis im Prozess

3.2.1.2. SMS (+)

3.2.1.3. Homepage (-)

3.2.2. Urkunde

3.3. gewillkürte Schriftform §127

3.3.1. Erleichterung ggü §126

3.3.2. Bsp.: Kündigung Handyvertrag, Kündigung Stromanbieter

3.3.3. Bsp.: Änderung Arbeitsvertrag

3.3.4. wenn Schriftform vereinbart, reicht bloße Mail ohne Signatur

3.3.4.1. Zweifelsfallauslegung

3.3.4.2. Arg.: Erklärtes Ziel des Gesetzgebers = dem modernen techn. Standard und der verbreiteten Praxis Rechnung zu tragen

3.3.5. beachte auch §309 Nr.13 in AGB

3.3.5.1. Bsp.: Postzustellung zu streng (man kann auch selbst einwerfen)

3.3.6. konkludente Aufhebung (idR mündlich / Mailangebot zur Vertragsänderung)

3.3.6.1. einfache Schriftformklausel

3.3.6.1.1. ganz h.M. konkludiert aufhebbar

3.3.6.1.2. (P) auch unbewusst - Erklärungswille notwendig?

3.3.6.2. qualifizierte Schriftformklausel

3.3.6.2.1. h.M. auch hier konkludiert aufhebbar, wenn in AGB

3.3.6.2.2. ansonsten: Bindung

3.4. Notar §128

3.4.1. Stufenbeurkundung

3.4.1.1. jede Partei bei einzelnen Terminen

3.4.1.2. ok gem. §152

3.4.1.2.1. aber nicht bei §925; §1410; §2276

3.4.2. §311b, KV über Grundstücke

3.4.2.1. (P) fallen Verrechnungsabreden unter §311b

3.4.2.1.1. Bsp.: A verkauft an B für 300K, geben beim Notar nur 200K an, weil der A dem B noch 100k schuldet, die sie verrechnen wollen

3.4.2.1.2. BGH: ja, aber unschädlich, wenn K die Belege nachweist

3.4.2.2. falsa demonstratio beim Grundstückskauf

3.4.2.3. Stehen und Fallen Rspr.

3.4.2.3.1. alle Vertragsbestandteile, mit denen die Vereinbarung stehen und fallen soll, sind beurkundungspflichtig

3.4.2.3.2. Gegenleistungen, Zahlungsmodalitäten, Nutzungsentgelte, Gewährleistungsregeln

3.4.2.3.3. z.B. (-): falsche Beurkundung der Angabe, dass Kaufpreis schon gezahlt

4. Heilung, Überwindung der Formvorschriften

4.1. geschriebene Heilung

4.1.1. §311b Abs. 1 S. 2, Heilung des Formmangels durch Auflassung und Eintragung ins Grundbuch

4.1.2. §518 Abs.2, Heilung der Schenkung durch Bewirkung

4.1.3. §766 S.3, wenn der Bürge zahlt, wird Bürgschaftsvertrag geheilt

4.2. ungeschriebene Heilung, überwindet §242 den §125?

4.2.1. Argl. Täuschung bei Vertragsschluss

4.2.1.1. Bsp.: Anwalt täuscht, dass Notar für Grundstücksverkauf nicht erforderlich ist

4.2.1.2. nur bei schlechthin unerträglichen Ergebnissen

4.2.1.2.1. idR (-) weil ja Gegenansprüche, cic

4.2.1.3. Folge: Wahlrecht §242 (+)

4.2.1.3.1. Arg.: bloßes neg. Interesse nach §826 unbillig

4.2.1.3.2. Arg.: Gedanke des §162

4.2.2. bewusste Nichteinhaltung

4.2.2.1. Edelmann-Fall

4.2.2.1.1. Parteien vertrauen sich so, dass sie keinen Schutz wollen

4.2.2.2. §242 idR (-), daher §125 (+)

4.2.2.2.1. Arg.: wer sein Geschäft bewusst nicht dem Recht unterstellt, dem hilft das Recht auch nicht

4.2.3. unbewusste Nichteinhaltung

4.2.3.1. Bauträger Fall

4.2.3.2. §242 idR (-), daher §125 (+)

4.2.3.2.1. Ausnahme bei unerträglichen Ergebnissen

4.2.3.3. ABER cic bei Fahrlässigkeit

4.2.3.3.1. Bsp.: Anwalt A will K Grundstück verkaufen. Obwohl er Zweifel hat, ob dies wirklich formlos möglich ist, belassen sie es bei bloßer Schriftform

4.2.3.3.2. nur neg. Interesse, das dem pos. Interesse nicht gleichkommen darf (KEIN Naturalrestitution)

4.2.3.3.3. es haftet nur der Profi