Hamburger Schulversuch: HH-IR-1998

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Hamburger Schulversuch: HH-IR-1998 von Mind Map: Hamburger Schulversuch: HH-IR-1998

1. Vorgehensweise

1.1. Längsschnittstudie

1.2. Untersuchung von unterschiedlichen Varianten von "Integrativen Regelklassen" (IR) mit Kindern mit Lern-, Sprach- und/oder Verhaltensbeeinträchtigungen

1.3. Integrative Regelklassen an Grundschulen mit Integrationsklassen (IR1) Integrative Regelklassen an Grundschulen in sozialen Brennpunkten (IR2) Grundschulen ohne Integrative Regelklasse und Integrationsklasse (Kontrollgruppe KG)

1.4. IR1 in gut gemischten, bürgerlichen Milieus IR2 in benachteiligten Gebieten mit hoher Migrationszahl und Beziehern von Transferleistungen

1.5. direkte Leistungstests in Deutsch und Mathematik 3 Messzeitpunkte: Ende des 1., 2., 3. Schuljahres Lernausgangslage zu Schulbeginn nicht bekannt --> keine präexperimentelle Vergleichbarkeit

1.6. Untersuchung von emotionalen und sozialen Variablen in IR1, IR2 und KG

2. Ergebnisse

2.1. Schulleistungen

2.1.1. IR1 im Leistungsvergleich immer am besten

2.1.2. IR2 in allen Leistungstests unterlegen durchschnittlich niedrigerer Leistungsstand als "besorgniserregender Befund"

2.1.3. Leistungen der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) in IR2 gering niedriger als in IR1 und KG

2.1.4. gymnasiale Empfehlungen: IR1 (31%), IR2 (11%), KG (24%)

2.1.5. Überweisung auf Förderschulen in Grundschulzeit hoch --> keine Prävention von "Sonderschulbedürftigkeit" in IR

2.2. emotionale und soziale Variablen

2.2.1. Fähigkeitsselbstkonzept im Mittel bei IR2 und KG identisch trotz objektiven Leistungsunterschieden

2.2.2. emotionales und soziales Selbstkonzept in IR2 und KG ebenfalls ohne große Unterschiede

2.2.3. In IR1, IR2 und KG schätzen Kinder mit SPF emotionales, soziales und Fähigkeitsselbstkonzept geringer ein als Mitschüler*innen

2.2.4. Kinder mit SPF gehören eher zu unbeliebten Kindern mit niedrigem soziometrischen Status (in IR1, IR2, KG) In IR2 allerdings abgeschwächt: Beeinträchtigungen führen nicht automatisch zu ungünstigen Sozialgefügen --> emotionale und soziale Integration in IR2 am besten gelungen

3. weiterführende Erkenntnisse

3.1. Erklärung von schlechter Leistungsentwicklung in IR2: 1. Risikohypothese: Risiko des Scheiterns durch Heterogenität, Kooperation der Lehrerteams und Notwendigkeit von guten, integrativen Unterrichtskonzepten 2. Milieuhypothese: unterschiedliche Milieus --> unterschiedliche Lernausgangslagen bzw. Vorwissen

3.2. keine präexperimentellen Untersuchungen, die unterschiedliche Lernvoraussetzungen be-/widerlegen konnten

3.3. unterschiedlicher Anteil von Kindern mit SPF nicht beachtet: IR1 (13%), IR2 (22%), KG (8%)

3.4. wenig bis keine Berücksichtigung des Umfelds und der Unterschiede in Leistung und Wissen vor der Studie

3.5. Folge: ungleiche Klassenzusammensetzungen, verschiedene Milieus und Ausgangslagen machen Vergleich schwierig

4. Forschungsfrage

4.1. Untersuchung von schulischer Leistung und Entwicklung in verschiedenen integrativen Klassen

5. Bedeutung für den Unterricht

5.1. Beachtung der Heterogenität entscheidend

5.2. Lernausgangssituation bzw. Vorwissen bei jedem unterschiedlich --> verschiedene Ansatzpunkte

5.3. Milieu beeinflusst Entwicklung --> Lehrkraft muss sich den sozialen Umständen bewusst sein

5.4. adaptiver Unterricht und individuelle Förderung von Bedeutung --> jedes Kind muss angesprochen werden

5.5. Teamteaching bei hoher Heterogenität von Vorteil bzw. notwendig