Pädagogik Teil 1

Pädagogik (Begriff, Geschichte, Wissenschaft)

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Pädagogik Teil 1 von Mind Map: Pädagogik Teil 1

1. 1. Der Begriff "Pädagogisches Handeln"

1.1. Beziehung (keine Technik)

1.1.1. kein Universalrezept, jede Beziehung ist einmalig und EINZIGARTIG

1.1.1.1. Das Ergebnis entsteht durch Zusammenarbeit

1.1.1.2. Individualität der Subjekte verhindert, dass es allgemeingültige Gesetze des "richtigen Handelns" gibt

1.1.1.3. die Entscheidung, wie gehandelt wird, sollte von beiden Seiten ausgehen

1.1.1.4. Diversität (Unterschiedlichkeit) von Gruppenmitgliedern beachten

1.2. semantischer Begriff

1.2.1. es besteht ein NICHT-GREIFBARES VORVERSTÄNDNIS, anhand dessen Situationen auf ihren pädagogischen Gehalt hin geprüft werden

1.2.1.1. nicht aus der Beobachtung ableitbar

1.2.1.2. kultur- und zeitgebunden (verändert seinen Inhalt)

1.2.1.3. das Vorverständnis und damit auch der Begriff lassen sich NICHT endgültig ABSCHLIESSEN

1.3. Inhalte verändern sich

1.3.1. Der Inhalt wird von der jeweiligen Gesellschaft (Epoche und Kultur) "stillschweigend beschlossen"

1.3.1.1. Die Gesellschaft "entscheidet" was Legitim ist. Vgl. Struwwelpeter

1.3.2. der Inhalt wird NICHT individuell von jedem selbst bestimmt

1.4. Beschreibung aus verschiedenen Perspektiven

1.4.1. funktional (eine Wirkung erziehlend)

1.4.1.1. indirekte "Handlung" (keine Handlung im eigentlichen Sinne; Handlungen müssen per Definition einen Zweck verfolgen)

1.4.1.2. z.B. Beobachtungslernen; "so nebenbei"

1.4.2. Die Perspektiven überlappen sich in der Praxis (die funktionale macht den größeren Teil aus)

1.4.3. Intentional (eine Absicht verfolgend)

1.4.3.1. pädagogische Handlung im engeren Sinne

1.5. Zielorientiertheit

1.5.1. BIPOLARITÄT

1.5.1.1. Bedürfnis des Individuums (anthropologische Perspektive): Einführen in die menschengemachte kulturelle Umwelt

1.5.1.1.1. z.B. Werte, Normen, Werkzeuggebrauch

1.5.1.2. Bedürfnis der Gesellschaft: Tradierung (Weitergabe, Erhalt), um den eigenen Fortbestand zu sichern

1.5.1.2.1. z.B. Demokratie und andere Konstrukte

1.5.1.3. In der Praxis nicht zu Trennen. Die Gesellschaft besteht aus Individuen, diese bilden die Gesellschaft

1.5.1.4. Pluralismus (Vielfältigkeit) der Gesellschaft beachten

1.6. Partikularität

1.6.1. Zweckgemeinschaft des pädagogisch Handelnden und des Adressaten

1.6.2. partikular (hier): begrenzt

1.6.3. Die Gemeinschaft ist auf ihre Auflösung hin ausgelegt. Die Auflösung wird durch die Zielerreichung begründet.

1.7. allgemeine Ziele

1.7.1. Fördern des Lernens

1.7.2. persönliche Entwicklung (Mündigkeit) erreichen

1.8. soziales/zwischenmenschliches Handeln

1.8.1. personelle Beziehung zwischen den Subjekten

1.8.1.1. WECHSELWIRKUNG zwischen den Subjekten (z.B.: Schüler und Lehrer)

1.8.1.2. Ein Subjekt hat einen eigenen Willen, daher ist nur ein AKZEPTIERTER BEEINFLUSSUNGSVERSUCH moralisch legitim

1.8.1.3. Beide Subjekte sind aktiv

1.8.1.4. Das Ziel kann nur gemeinsam und (idealerweise) auf Augenhöhe erreicht werden

2. 2. Geschichte/Entwicklung

2.1. Griechische Antike: Platon und das sokratische Gespräch

2.1.1. erstmalige Überlieferung systematischer Reflexion

2.1.2. Wort-Herkunft: pais:Knabe/agogos:Führer

2.1.3. Ausgangssituation: Sophisten: Lehren der "Streitkunst"; Ziel: Diskussionen gewinnen; Wahrheitsgehalt der Aussagen und Moral spielen keine Rolle

2.1.3.1. Kritik Platons: Es macht einen Unterschied, ob man Recht bekommt oder Recht hat

2.1.4. Sokrates (Überliefert durch Platon)

2.1.4.1. Die Seele weiß um das Tugendhafte (durch Seelenwanderung)

2.1.4.2. Dies geschieht nicht "von außen", durch Lehren, sondern durch ein gemeinsames Gespräch

2.1.4.2.1. DIE SOKRATISCHE FRAGE

2.1.4.3. Durch Maieutik (Geburtshilfe) kann das Tugendhafte erinnert werden, "ausbrechen"

2.1.4.4. Lernen bedeutet aus sich selbst zu Schöpfen

2.2. Die römische Antike und das Gärtnergleichnis

2.2.1. Grundgedanke: cultura animi (die Seele lässt sich KULTIVIEREN)

2.2.2. Kinder wachsen aus sich selbst heraus

2.2.2.1. Gegenvorstellung: der pädagogisch Handelnde als Bildhauer, der den mündigen Bürger nach einem Idealbild erschaft

2.2.3. Menschen sind von Natur aus gut

2.2.4. Ziel der Kultivierung: tugendhafte Lebensführung

2.2.5. Es muss die passende Umgebung dargeboten werden

2.2.5.1. Vgl. Beet/Garten(Schutz), Dünger(Passende Anreize), nur "Beschneiden", wenn das Wachstum gefährdet wird

2.2.5.2. Vgl. Friedrich Fröbel: Einführung des Kindergartens

2.3. Mittelalter, Mystik und Meister Eckhard

2.3.1. Grundannahme: Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, der Mensch hat sich durch seine Sünden von diesem Ideal entfernt.

2.3.2. Der Mensch muss sich "vom menschlichen entbilden" und sich das göttliche "ein- und überbilden"

2.3.2.1. Der Mensch wird zunehmend zu "Bildhauer seiner selbst". Dieser Denk- und Ideenwechsel ebnet den Übergang zur Moderne

2.3.3. Herkunft des Begriffs "Bildung"

2.3.3.1. Heute (je nach Definition): geistige, moralische Entwicklung, die aus Vernunft heraus entsteht. Vorgang und Ergebnis zugleich

2.4. Der Umbruch vom Mittelalter zur Moderne

2.4.1. Wandel in drei Schritten/Impulsen

2.4.1.1. DER NEUE MENSCH

2.4.1.1.1. Grundannahme: der Mensch soll sich (lt. Bibel) die Welt untertan machen, beherrschen kann nur wer versteht. ->WISSENSCHAFT

2.4.1.1.2. Der Mensch wird zum BILDHAUER SEINER SELBST/Selbstgestaltungsfähigkeit ->NEUES SELBSTBEWUSSTSEIN und ENTMACHTUNG DER KIRCHE

2.4.1.2. TRENNUNG VON KIRCHE UND WISSENSCHAFT

2.4.1.2.1. Säkularisierung (Loslösung von der Kirche) der Bildung

2.4.1.2.2. Buchdruck / Bibel für alle= BILDUNG FÜR ALLE (theoretisch)

2.4.1.2.3. Formung der eigenen Seele ist die eigene Aufgabe und kann nicht von der Kirche übernommen werden

2.4.1.3. AUSBILDUNG FUNKTIONALL DIFFERENZIERTER GESELLSCHAFTEN

2.4.1.3.1. Ausgangslage: kleine, räumlich getrennte Dörfer, vor allem traditionsbestimmtes Leben

2.4.1.3.2. Neue Lage: funktional differenzierte Gesellschaften mit Teilsystemen, die eigener Logik folgen, neuer Handel "Globalisierung"

2.4.2. Die Zeit des Umbruchs

2.4.2.1. Johann Amos Comenius

2.4.2.1.1. Erziehung: zur "Heilung der kranken Welt" befähigen; beinhaltet rationale Erkenntnisse und die Einheit von Gelehrsamkeit, Sittlichkeit und Frömmigkeit

2.4.2.1.2. Neuinterpretierung des pädagogischen Verständnisses

2.4.2.1.3. Ziel: Bekämpfung sozialer Missstände

2.4.2.1.4. Didactica Magna "die große Unterrichtslehre": Schulbuch

2.4.2.1.5. Didaktik (Lehrkunst): "allen Menschen alles Lehren und zwar ganz" (Standesübergreifend, ein vollständiges Weltbild und praktische Sachverhalte)

2.4.2.2. August Hermann Franke

2.4.2.2.1. Gründung von Armenschulen

2.4.2.2.2. Grundannahme: Der Mensch ist von Natur aus schlecht, sein "böser" Eigenwille muss gebrochen werden

2.4.2.2.3. Ziel: Rettung der Seelen

2.4.2.2.4. alle Kinder (AUCH MÄDCHEN) sollen Lesen und Schreiben lernen

2.5. Das pädagogische Jahrhundert

2.5.1. Ausgangslage:

2.5.1.1. Ablösung von der Kirche hin zur WISSENSCHAFT und INDUSTRIE, die Menschen erkennen, dass Sie ihr Schicksal selber steuern können

2.5.1.2. AUSBILDUNG DES BÜRGERTUMS (neues Selbstbewusstsein, Emanzipation)

2.5.1.3. Gewichtung der eigenen VERNUNFT um aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit zu entkommen

2.5.1.4. pädagogisches Handeln wird eine ÖFFENTLICHE AUFGABE (alle sollen teilhaben)

2.5.1.5. 1717: Schulpflicht in Preußen (auf dem Papier); 1779: Erster Lehrstuhl für Pädagogik (von kurzer Dauer)

2.5.1.6. NEUES VERSTÄNDNIS DER KINDHEIT (eigene Phase, eigene Bedürfnisse; Nicht mehr "kleine Erwachsene")

2.5.2. Immanuel Kant: Fortschrittsoptimismus durch Annährung der Menschheit an ein (vernunftgeleitetes) Ideal

2.5.2.1. Der Mensch ist vernunftbegabt (im Gegensatz zum Tier), frei in seinem Handeln und kann sich die Gesetze seines Handelns selber auferlegen

2.5.2.2. Die Vernunft ist die Voraussetzung der "Menschwerdung"; das Neugeborene ist noch "unreif"

2.5.2.3. der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung

2.5.2.3.1. Der Erziehungsprozess in 4 PHASEN

2.5.2.4. Die Rolle des pädagogisch Handelnden: Phase 1-3: führend, belehrend; Phase 4: nicht vorhanden

2.5.2.5. Ausmaß der Selbst-/Fremdbestimmung: partikular bis autoritär

2.5.2.6. Kritik: Wie kultiviere ich Freiheit bei dem Zwange etc.

2.5.3. Wilhelm von Humboldt: Die Entfaltung des Menschen und der gesamten Menschheit

2.5.3.1. Der Mensch soll seine Kräfte GLEICHMÄSSIG entfalten

2.5.3.2. Die Entfaltung geschieht durch die AUSEINANDERSETZUNG MIT der äußeren und inneren WELT; v.a. durch Sprache

2.5.3.2.1. Die Sprache transportiert das Wissen und die Art zu denken

2.5.3.2.2. Griechisch als Sprache der Harmonie und des Gleichmaßes

2.5.3.3. Es ist die eigene Aufgabe zu Wachsen

2.5.3.4. Rolle des pädagogisch Handelnden: keine exponierte Rolle (eher Bildungstheorie als Erziehungstheorie)

2.5.3.5. Ausmaß der Fremd-/Selbstbestimmung: Lassez-faire

2.5.3.6. Kritik: elitär, Keine Spezialisierungen (Ineffektiv?)

2.5.4. Die Philanthropen= "Menschenfreunde": Nützlichkeit für die Gesellschaft führt zu Glücksseeigkeit/moralischer Erfüllung

2.5.4.1. Die Gesellschaft wird vollkommen werden, wenn der Mensch (die Menschheit) religiös aufgeklärt, wirtschaftlich vernünftig und sittlich ist. Dies entspricht den Bedürfnissen der Gesellschaft

2.5.4.2. Utilitarismus=Lehre, die im Nützlichen die Grundlage des sittlichen Verhaltens sieht und ideale Werte nur anerkennt, sofern sie dem Einzelnen oder der Gemeinschaft nützen; Nützlichkeitsprinzip

2.5.4.3. aufklärerischer Optimismus, an das Leben in der Gesellschaft wie sie nun mal ist anpassen (z.B. an die Arbeitswelt)

2.5.4.4. Erstellten eigene ALTERSGERECHTE Schulbücher und gründeten eigene Schulen; Wissenschaft, Bildung, Religion, Erziehung

2.5.4.5. Ziel: Glückseligkeit durch Nützlichkeit

2.5.4.6. betrieben empirische Forschung

2.5.4.7. Rolle des pädagogisch Handelnden: Vorgaben machen

2.5.4.8. Ausmaß der Selbst-/Fremdbestimmung: partikular bis autoritär

2.5.4.9. Kritik: elitär, "schwarze Pädagogik"(autoritär), die Gesellschaft steht über der Familie

2.5.5. Jean-Jacques Rousseau: Zivilisation verdirbt den von Natur aus guten Menschen

2.5.5.1. Der Mensch ist grundsätzlich gut, das muss geschützt werden vor dem schädlichen Einfluss der Zivilisation.

2.5.5.2. Erst wenn der Mensch eine gefestigte Persönlichkeit ist, sollte er in die Zivilisation eintreten, Erziehung auf dem Land

2.5.5.3. Idee der negativen Erziehung

2.5.5.4. Erziehung aus dem unmittelbaren Erleben heraus. Einen Rahmen geben und die Konsequenzen des eigenen Handelns spüren lassen; keine Erziehung durch Bücher

2.5.5.5. altersgerechte Handlungen

2.5.5.6. Ziel: Die Bewahrung des Guten im Menschen

2.5.5.7. Rolle des pädagogisch Handelnden: Gestaltung des Erfahrungsraums

2.5.5.8. Ausmaß der Selbst-/Fremdbestimmung: Laissez-faire/Gärtnerpädagogik

2.5.5.9. Kritik: keine Sozialerfahrung, keine Eltern, Kindswohlgefährdung? Ist der Mensch wirklich gut?

2.6. Reformpädagogik (das Jahrhundert des Kindes)

2.6.1. Soziale Ausgangslage

2.6.1.1. Städte als "Moloch", dreckige ("unwürdige") Produktionsstätten, Industrie

2.6.1.2. Neue Bewegungen: Frauenbewegung (fordern Gleichberechtigung); Arbeiterbewegung (fordern bessere Bedingungen, Rechte); Jugendbewegung/Wandervogel (raus aus der Stadt, in die Natur); FKK (Konventionen brechen)

2.6.2. Sammelbegriff für verschiedene Erneuerungsbewegungen; Gemeinsamkeit: REFORMIEREN / Gegenbewegung zum etablierten Schulsystem und den autoritären, leistungsbezogenen Methoden

2.6.3. neue Schulkonzepte: Selbstständigkeit und Handlungsorientierung

2.6.4. Pädagogisches Handeln geht VOM KIND AUS. Das Kind als INDIVIDUUM; das Kind entscheidet (in einem gewissen Maße) was und wie es lernt; nach eigenem Tempo

2.6.5. pädagogisch Handelnde sind LERNHELFER

2.6.6. Vertreter

2.6.6.1. Rudolf Steiner: Waldorfpädagogik "Klassengemeinschaft ohne Wettbewerb"

2.6.6.1.1. 1919, Stuttgart: Gründung der ersten Waldorfschule (im Auftrag einer Zigarettenfabrik)

2.6.6.1.2. Ziel: freie, verantwortungsbewusste, kreative und sozialkompetente Menschen hervorbringen

2.6.6.1.3. Projekte, Handwerksunterricht, Eurythmie, Kunst, Musik

2.6.6.1.4. Keine Hausaufgaben, Noten erst ab Klasse 7

2.6.6.1.5. Zusammenarbeit ohne Wettbewerb

2.6.6.1.6. große Klassengemeinschaft, Mitarbeit der Eltern gefordert

2.6.6.1.7. soziale Gerechtigkeit: Alle Kinder sollen den gleichen Unterricht bekommen

2.6.6.2. Maria Montessori: "Hilf mir es selbst zu tun"

2.6.6.2.1. 1907, Rom: Arbeit mit Kindern mit Behinderungen

2.6.6.2.2. Beobachtung: Kinder wollen Lernen, sie haben mehr Interesse, wenn sie die Wahl haben und es SELBSTSTÄNDIG tun

2.6.6.2.3. AUTONOMIE und SELBSTMOTIVATION

2.6.6.2.4. offene Klassenzimmer, altersgemischte Klassen, Kinder entscheiden (in einem gewissen Ausmaß) was sie lernen wollen, Kinder bewegen sich in den Grenzen der Klasse frei

2.6.6.2.5. Keine Hausaufgaben, keine Benotung

2.6.6.2.6. heute: viele unterschiedliche Auslegungen, weit verbreitetes Konzept

2.6.6.3. Peter Peterson: Jena-Plan-Schulen "neues Schulleben"

2.6.6.3.1. 1927, Jena: Schulkonzept mit gemeinschaftlichem Lernen und Lehren.

2.6.6.3.2. Stammgruppen (altersgemischt) statt Klassen, Wochenpläne (statt "kurze" Zeitstunden), Selbstkontrolle und Leistungsberichte

2.6.6.3.3. Keine festen Noten, kein "Sitzenbleiben"

2.6.6.3.4. alle Parteien (auch Schüler und ELTERN) bringen sich mit ein

2.6.6.3.5. sowohl fächerbezogener als auch "freier" Unterricht

2.6.6.3.6. heute: vereint Regelschulbetrieb und alternative Ideen

2.6.6.4. Ellen Key: "Das Jahrhundert des Kindes"

2.6.6.4.1. Buch: "Das Jahrhundert des Kindes"

2.6.6.4.2. Fokus auf das EIGENE WESEN Kind, radikal vom Kind aus denken

2.6.6.4.3. (vertrat auch völkisches Gedankengut)

2.6.6.5. Arbeitsschulpädagogik

2.6.6.5.1. Kreschensteiner: hoher Wert der handwerklichen Arbeit/Fähigkeiten, manuelle Fertigkeiten fördern (baute in den Klassen "Starenkästen"), Bildung= allgemeine, staatsbürgerliche und berufliche Bildung; "Vater der Berufsschule"

3. 3. Systematisierung/Wissenschaft

3.1. Warum das Ganze?

3.1.1. Verschiedene Herangehensweisen/Ansätze der Systematisierung führen zu unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Sachverhalte und unterschiedlichen Methoden

3.1.2. Wissenschaftlicher Blick AUF die pädagogischen Sachverhalte (Metatheorie/Metaebene)

3.2. empirisch-analytische Ansätze

3.2.1. deduktiv-nomologisch: aus Gesetzen ableitend: Versuch die Wirkungsweisen zu ERKLÄREN; HYPOTHESENPRÜFUNG

3.2.1.1. Vorbild: Naturwissenschaften

3.2.2. das Objekt der Forschung unterliegt allgemeingültigen Gesetzen

3.2.3. Ziel: allgemeingültige Gesetze identifizieren, erklären und daraus Prognosen ableiten (starker BEZUG ZUR THEORIE)

3.2.4. Fraktion: ERZIEHUNGSWISSENSCHAFTEN

3.2.4.1. erziehungstechnologisches Wissen über Kausalzusammenhänge (wenn-dann-Beziehungen)

3.2.4.2. Forschungsansatz: Untersuchungsgegenstand (Problem) identifizieren, Theorien bilden (z.B. Lösungsvorschläge), Theorien prüfen und bereinigen

3.2.4.3. Theoretischer Ansatzpunkt nach Brezinka: Theorie folgt Klarheit, Logik, Überprüfbarkeit; Wissenschaft bedeutet in Bezug auf die Theorie zu erklären und zu prognostizieren

3.3. hermeneutische Ansätze

3.3.1. das Objekt der Forschung wird vom Menschen gemacht, indem die Menschen ihren Handlungen Sinn zusprechen. D.h. ohne Menschen ist kein pädagogisches Handeln möglich, also gibt es KEINE ALLGEMEINGÜLTIGKEIT

3.3.1.1. Vorbild: Geisteswissenschaften

3.3.2. Das Seelenleben lässt sich nicht erklären, nur VERSTEHEN

3.3.3. Ziel: Sinn und Bedeutung pädagogischer Handlungen verstehen

3.3.4. pädagogische Praxis kann OHNE THEORIEN existieren

3.3.5. Fraktion: PÄDAGOGIK

3.3.5.1. Analyse historischer Erziehungswirklichkeiten und Strukturelemente

3.3.5.2. Handlungswissenschaft: Die Theorie gibt einen REFLEXIONSRAHMEN für die Praxis

3.3.5.3. Keine Gesetzmäßigkeiten identifizierbar, da jede pädagogische Beziehung EINZIGARTIG ist

3.4. Das Theorie-Praxis-Problem

3.4.1. Die wissenschaftlichen Theorien zielen auf Allgemeingültigkeit/Universalität/Generalisierung ab

3.4.2. pädagogisches Handeln ist eine einmalige Beziehung

3.4.3. Zwischen theoretischem Wissen und praktischem Tun liegt ein UNAUFLÖSBARES PARADOXUM (Unvereinbarkeit von Allgemeingültigkeit und Individualität)

3.4.4. Lösungsansätze

3.4.4.1. Primat der Praxis: Die Praxis ist der Theorie vorrangig und die Theorie versucht im NACHGANG den Prozess und die Sinnschöpfung aus dem Prozess zu VERSTEHEN (hermeneutische Herangehensweise)

3.4.4.2. Primat der Theorie: Die Theorie soll der Praxis einen REFLEXIONSRAHMEN geben. Erziehungskunst kann nur praktisch gelernt werden, kann aber durch im VORHINEIN erworbenes Wissen um Theorien reflektiert werden (handlungswissenschaftlich)

3.5. Grade pädagogischen Wissens

3.5.1. Theorie 1. Grades "Alltags-/Laienwissen"

3.5.1.1. ohne wissenschaftliche Gütekriterien erstellt und bei Bedarf verändert, sehr FUNKTIONELL

3.5.2. Theorie 2. Grades "handlungstheoretisches Wissen"

3.5.2.1. REFLEXION des Alltagswissens, bzw. TRANSFER des wissenschaftlichen Wissens in die Praxis; dadurch Verringerung der Allgemeingültigkeit der Theorien 1. Grades

3.5.3. Theorie 3. Grades "wissenschaftliches Wissen"

3.5.3.1. Versuch Theorie und Praxis zu verstehen, KEIN HANDELN (kann z.B. hermeneutisch oder empirisch-analysierend sein)

3.6. Konsequenzen fürs Modul

3.6.1. die Theorien dürfen NICHT ALS UNIVERSALREZEPTE verstanden werden

3.6.2. Es ist nicht möglich zu Lehren, was wann wie gemacht werden soll

3.6.3. Handlungstheoretisches Wissen (Denkansätze etc.) lässt sich lehren und als REFLEXIONSRAHMEN nutzen

3.6.4. Die Theorie lässt sich mit dem eigenen Stil verknüpfen und in der INDIVIDUELLEN Situation (unterschiedlich gut) einsetzen