1. z.B. in Tristan und Isolde: „si heten sich mit alle ergeben./ and die vil armen stiûre/ die da heizzet auentûre.“
1.1. Ritter kann seine Vortrefflichkeit unter Beweis stellen, âventiure dient dem Ruhm- und Ehrgewinn
2. „Nu hêt der künic einen sit -/ dâ was sîn hof getiuret mit -/ daz er ze tische nie gesaz/ des morgens, ê er eteswaz/ von âventiure hêt vernomen./ eins tages was ez alsô komen,-/ daz doch selten dâ geschach -/ daz man niht âventiure sach/ unze wol nâch mittem tage;/ daz was des ingesindes klage;/ sie stuonden an der warte hie.“ (V. 247-257)
2.1. ritterliche Auseinandersetzung/ Begebenheit
3. Geschehen
3.1. unvorhersehbares Ereignis = Zufall/ Geschick, Schicksal
3.2. ritterliche Herausforderung = schwierige + gefährliche Unterfangen
3.3. geheimnisvolles Wunder oder Zeichen
3.3.1. z.B. im Wolfdietrich B: „Dô begund diu küniginne schouwen unde ouch spehen/ ob si iht âventiure an dem kinde möhte gesehen.“
3.3.1.1. (später:) Geschäftsreise, (allg.:) Risiko, Gefahr
3.4. BMZ: Differenzierung zw. a) ,Ereignis' b) ,Bericht über ein Ereignis' (auch: ,Erzählung' oder ,Erzähl-Abschnitt', ,Kapitel' eines Berichts oder einer Erzählung)."
4. Allgemeines
4.1. mhd. für "gefahrvolle Unternehmungen" (Sieburg S. 123)
4.2. Bewährung des höfischen ritære = zentraler Bestandteil des höfischen Romans
4.3. Grundbedeutung "âventiure" = „Ereignis, erzählenswertes Ereignis“ -> das Erzählen von Abenteuern
4.4. bezeichnet sowohl die „Vorlage“, die „Quelle“, die danach gestaltete Adaption als Erzählganzes als auch die einzelnen Teile/ Abschnitte
4.5. Begriff sehr frequent in Artusdichtung des 12. bis 14./15. Jhd.
5. verschiedene Bedeutungen und Funktionen im Schaubild
6. 2 semantische Ebenen
6.1. a) unmittelbare Ebene der Handlung (erzähltes Ereignis, Erzählgegenstand)
6.2. b) poetologische Ebene (Erzählen als Ereignis -> real oder fiktiv, mündlicher Vortrag einer Abenteuergeschichte)
7. "âventiure" im Wigalois
7.1. „ez was der rîter gewin/ und ir aller bestez spil/ daz si âventiure vil/ dâ zallen zîten vunden.“ (V. 181-184)
7.1.1. Abenteuer/ Kämpfe/ Herausforderungen
7.2. „ein âventiure ist mir geschehen,/ die wil ich iuch wizzen lân;/ ich bedarf wol iuwers râtes dran.“ (V. 360-363)
7.2.1. Ereignis/ Sache, die sich zugetragen hat
7.3. „sol ich niht zebrechen/ mîn sper vor der porte hie,/ sôn geschach hie âventiure nie.“ (V. 438-440)
7.3.1. ritterlicher Kampf/ Ereignis
8. Entfaltung eines breiten Bedeutungsspektrums (Bedeutungsgenese und -veränderung)
9. alter bedeutungsgeschichtlicher Kern: lat. "adventus" (= Ankunft, Anrücken, Eintreffen) -> etw. geschieht, das Geschehen bewegt sich auf jemanden zu
10. Wiedergabe eines Geschehens
10.1. Dichtwerk im Allgemeinen
10.1.1. z.B. im Parzival: „nu hoert dirre âventiure site“ -> „nun hört das Wesen dieser Erzählung“
10.2. Handlungssequenz/ Abschnitt/ Kapitel
10.2.1. z.B. im Nibelungenlied: „Auent[ure] wie Sivrit mit den sahsen streit“
10.3. Bericht/ Erzählung
10.3.1. z.B. Hartmann von Aue – Erec: „als uns diu âventiure zalt“ -> „wie uns die Quelle erzählt“)
10.3.2. z.B. Rudolf von Ems - Alexander: "Uns seit diu âventiure sus/ daz sich daz selbe rîche dâ/ ergæb Alexander sâ."
10.4. Quelle
10.4.1. z.B. Werk-Titel „Auenture von den Nibelungen“
10.5. Überschrift
10.6. Personifikation
10.6.1. z.B. im Parzival: „jâ sît irz, frou âventiure?“ -> „Ja seid ihr es, Frau Aventiure?“
11. Bedeutungsgeschichte
11.1. lang und verzweigt
11.2. semantische Erweiterung im Deutschen
12. Sprachgeschichte
12.1. Etymologie: Ursprünge des Wortes im Romanischen (und somit Lateinischen)
12.2. frz. "aventure"
12.3. lat. "adventura", mlat. "edventura"
12.3.1. aus beidem entsteht dann mhd. "âventiure"/ "eventiure"