1. neue Anforderungen an Schule als Dienstleistung
1.1. kulturelle Angebote
1.1.1. gibt es zu gewissen Teilen bereits, ist aber meist mit Kosten verbunden und dadurch nicht für alle zugänglich
1.1.1.1. nichts kosten meines momentanen Wissensstand nach lediglich Freifächer, wie beispielsweise Chor
1.1.1.2. in manchen anderen Ländern gibt es hier bereits viel mehr Angebot, in bestimmten Ländern ist z.B. das erlernen von Blockflöte ein Teil des kostenlosen Angebots von Ganztagesschulen
1.1.2. teils integriert in den Unterricht, teils außerschulisch
1.1.2.1. z.B. Workshops, Kinderturnen, etc. könnten außerschulisch angeboten werden
1.1.2.2. z.B. Bibliotheksbesuche könnten in den Unterricht integriert werden (besonders, wenn eine Schulbibliothek vorhanden ist, aber auch Gemeindebüchereien sind im Regelfall gerne zu Zusammenarbeit bereit)
1.2. Forderung von mehr ganztäglichem Unterricht
1.2.1. Betreuungs- & Förderangebote sollten für alle Kinder zugänglich sein
1.2.1.1. ich persönlich stehe Ganztagesschulen eher kritisch gegenüber, da ich finde, dass Kinder auch Zeit außerhalb der Schule und, wenn möglich, mit ihren eigenen Eltern verbringen sollten
1.2.1.2. ich verstehe aber auch, warum es sinnvoll ist, vor allem für minder bemittelte Familien, die den ganzen Tag arbeiten müssen, sich aber keine sonstige Betreuung für deren Kinder leisten können
1.2.1.3. dennoch empfinde ich Ganztagesschulen nach wie vor als nicht ideal, besonders, seit ich im Rahmen meiner Schulpraxis gesehen habe, wie schwer es den Kindern oft bereits in der dritten Schulstunde fällt, sich zu konzentrieren und dem Unterricht zu folgen
1.2.2. Tag wird rhytmisiert, sollte aber gleichzeitig nicht unbedingt der Einteilung in 45 min langen Schulstunden entsprechen
1.2.2.1. eine Lernpsychologische Theorien besagen, dass Schulstunden in der traditionellen Form nicht besonders geeignet sind, da das Arbeitsgedächtnis der Kinder dadruch sehr stark überlastet wird (7 +/- 2 neue Information, die auf einmal im Kurzzeitgedächtnis aufgenommen werden können), in 45 min treffen allerdings oft mehr als 7 +/- 2 Informationen auf einmal auf ein Schulkind
1.3. gemeinsamer Unterricht aller Kinder bis zur 8.Schulstufe
1.3.1. wirkt dem frühen Selektierungsprozess durch die Wahl des Schultypus weiterführender Schulen entgegen
1.3.1.1. diese Selektierung ist in Österreich z.B. in Gymnasium vs. Mittelschule momentan noch sehr präsent
1.3.1.2. noch extremer scheint sie an Orten zu sein, wo es verpflichtende "Schulempfehlungen" für Kinder gibt
1.3.1.3. meiner Meinung nach sind 4 Jahre viel zu kurz, um ein Kind in bestimmte "Schubladen" einzuteilen, was es und was es in Zukunft nicht lernen könnte
1.3.2. hat sich in anderen Ländern bereits bewährt
2. neues Beurteilungssystem
2.1. kontinuierliches und konstruktives Feedback
2.1.1. Mittteilung über individuelle Lernzuwächse
2.1.1.1. es stärkt das eigene Selbstbewusstsein zu erkennen, dass und welche Lernfortschritte mensch selbst gemacht hat
2.1.1.2. führt dazu, dass Kinder sich mehr deren eigenen Stärken und Schwächen auseinandersetzen, anstatt sich (wie in meiner Schulzeit üblich) ständig miteinander zu vergleichen und wegen schlechten Noten schlecht zu fühlen
2.1.2. Grundlage für folgende Lernvereinbarungen mit Schüler*in
2.1.2.1. Lernvereinbarungen können die Motivation von Schüler*innen steigern, da sie dadurch eigens gesetzte anstelle von fremdbestimmten Zielen verfolgen können
2.2. keine traditionelle Benotung
2.2.1. ermöglicht keinerlei Differenzierung in der Bewertung erbrachter Leistungen
2.2.1.1. Noten orientieren sich immer an einem Normsystem, das irgendjemand festgelegt hat und denen bei weitem nicht jedes Kind entspricht
2.2.1.2. Noten wurden geschaffen, um Menschen miteinander vergleichen zu können, jedoch entspricht diesem Grund bereits die Tatsache, das jede Lehrperson anders bewertet
2.2.1.3. traditionelle Schulnoten bauen auf eine "objektive" Beurteilung auf, jedoch sind Menschen, inklusive mir, dem momentanen Mainstream und meiner Meinung nach immer subjektiv, womit Noten nie ganz fair sein können
2.2.1.4. Noten scheren alle Kinder über einem Kamm und beachten individuelle Stärken und Kompetenzen nicht, die Kinder außerhalb der schulischen Themen- und Fachbereiche besitzen
2.2.2. der individuelle Lernfortschritt sollte in den Fokus gerückt werden
2.2.2.1. es hilft, um den Vergleich mit dem Durchschnitt der Klasse, der Perspektiven auf den Lernfortschritt eines Kindes sehr stark verzerren kann, etwas zu bekämpfen
2.2.2.2. um ein Beispiel dieser perspektivischen Verzerrung zu geben: In der Oberstufe war ich in meiner Klasse eine der schlechtesten Schüler*innen in Englisch, was mich mental ab und zu etwas fertig machte, aber nicht, weil ich schlecht in Englisch wäre, sondern weil der Standard in meiner Klasse so hoch war. Dies zeigte sich deutlich, als wir in all.en drei Klassen der Schulstufe die gleiche Schularbeit bekamen. In unserer Klasse gab es nur die Noten 1-3 (ich hatte einen 3er) während in einer der Parallelklassen mindestens 7 Personen durchgefallen waren.
2.3. Kompetenzorientierung anstelle von Wissensorientierung
2.3.1. durch Kompetenzorientierung kann besser differenziert werden
2.3.1.1. allerdings ist dennoch bestimmtes "Faktenwissen" wichtig, da Kompetenzlernen alleine nicht ausreicht, auch ist das in bestimmten Fächern gar nicht möglich, z.B. eine der Grundvorraussetzungen für Mathematik ist, das kleine 1x1 auswendig zu wissen
3. angemessene Förderung für Schüler*innen
3.1. Entstigmatisierung des Begriffs "Förderung"
3.1.1. "Förderung" ist in dieser Zeit ein meist negativ konnotierter Begriff
3.1.1.1. es gibt auch Förderung, die nicht auf, pauschal ausgedrückt, "schlechten Noten" basiert, z.B. Begabtenförderung
3.1.1.2. "Förderung" ist eigentlich da, um Kindern zu helfen und sollte somit ein positiv besetzter Begriff sein
3.1.2. Kinder sollten nicht als "schlecht" verurteilt werden, weil sie in bestimmten Bereichen "Förderung" brauchen
3.1.2.1. Diese Kinder haben möglicherweise ganz andere fantastische Stärken, z.B. soziale Kompetenzen, musikalische oder musische Kompetenzen, die in unserem momentanen Schulsystem oftmals nocht als nicht so wertvoll angesehen werden
3.2. förderliche Lernumgebung
3.2.1. Differenzierung im Unterricht
3.2.1.1. diese geschieht heute nicht mehr durch verschiedene Leistungsgruppen, sondern vor allem innerhalb der Lerngruppen
3.2.1.2. ein gutes Format für differenzierten Unterreicht bieten beispielsweise Offene Lernphasen oder Wochenpläne
3.2.2. egal ob für spezifische Schulfächer, basal oder in anderen Bereichen
3.2.2.1. es läuft wieder auf die Heterogenität der jeweiligen Klasse hinaus, jedes Kind hat andere Bedürfnisse, was die Lernumgebung, aber auch Fördermaßnahmen selbst betrifft
3.3. Raum für soziales Lernen
3.3.1. gute Gelegenheiten dafür bieten fächerübergreifende Projekte, Workshops, etc.
3.3.1.1. z.B. für Projekte im Team benötigt es die verschiedensten Stärken in verschiedenen Bereichen, wodurch sich die Mitglieder des jeweiligen Teams gegenseitig ergänzen und wiederum eine natürliche Differenzierung schaffen
3.3.2. Peer-Teaching
3.3.2.1. besonders gut umsetzbar in Mehrstufenklassen
3.3.2.2. gibt aber auch andere Möglichkeiten, wenn mensch sich mit den anderen Lehrpersonen der Schule gut abspricht, beispielsweise wäre eine Art Drehtürmodell möglich, oder Lesepatenschaften
4. Chancengleichheit in der Bildung für alle Schüler*innen
4.1. Heterogenität und Diversität als Chance sehen & nutzen
4.1.1. jedes Kind hat Stärken in anderen Bereichen, wodurch sie sich gegenseitig je nach gewählter Unterrichtsform gut ergänzen könnten,
4.1.1.1. teilweise könnten wir genauso Schüler*innen zu "Experten" von deren Interessensgebieten ernennen und von ihnen lernen, wenn es in die Unterrichtssituation passt
4.1.2. es sollten verschiedene Zugänge zu Lernen angeboten werden um den verschiedenen Schüler*innen gerechtzuwerden
4.1.2.1. es ist zur Zeit leider utopisch, die individuellen Bedürfnisse aller Kinder zu erfüllen, jedoch könnte ich mir auch vorstellen, dass zumindest ein grundlegend differenzierter Unterricht vielerorts bereits eine Schritt nach vorne sein kann
4.2. Leistungen sollten auf vielseitige Weisen wahrgenommen und anerkannt werden
4.2.1. es bräuchte laut Kersten Reich mehr Autonomie der Schulen bezüglich Lehrinhalt und Benotungssysteme
4.2.1.1. bestimmte Kompetenzbereiche werden im Moment in der Schule noch als "wichtiger" und "wertvoller" eingeschätzt als andere, z.B. mathematische Kompetenzen > musische Kompetenzen, Textkompetenzen > Sportliche Kompetenzen
4.3. jede*r sollte dazu befähigt sein, jeden Abschluss zu machen
4.3.1. die teilweise recht frühen Selektionsprozesse in der Bildung können hier durchaus zu einem Hindernis werden
4.3.1.1. hier ist leider auch institutionelle Diskriminierung noch ein großes Thema
5. gute Kommunikation
5.1. im Lehrer*innenteam
5.1.1. Berufsprofil von Lehrpersonen hat sich gewandelt, Lehrpersonen sind keine Einzelkämpfer mehr
5.1.1.1. im Gegensatz geht der Trend momentan dahin, dass es in Schulen größere multiprofessionelle Teams von Lehrpersonen gibt, ein gutes Beispiel hierfür sind Ganztagesschulen mit Teamlehrer*innen, Freizeitpädagog*innen, Klassenführende Lehrpersonen, je nach Schule auch mit Logopäd*innen, Sozialarbeiter*innen, etc.
5.1.2. Absprechen über Unterrichtsinhalte, sowie Vorbereitung und Durchführung von Teamteaching
5.1.2.1. hier ist eine besonders gute Kommunikation wichtig, dass alle Lehrpersonen des Teams auf dem gleichen Nenner sind, was sie wann wie wo mit wem unterrichten
5.2. mit den Schüler*innen
5.2.1. Beziehungsarbeit zwischen Lehrpersonen und Schüler*innen
5.2.1.1. eine gute Beziehung ist meiner Meinung nach eine Grundlage für Lernen
5.2.2. Kommunikative Kompetenzen der Schüler*innen fördern
5.2.3. demokratische Bildung der Schüler*innen
5.2.3.1. z.B. durch Partizipation in der Unterrichtsgestaltung, oder durch ein Klassenparlament
5.2.3.2. Förderung einer gesunden und sachlichen (sowie faktenbasierten) Diskussionskultur, wie sie in der Welt momentan oftmals eher nicht stattfindet
5.3. respektvoller & tolleranter Umgang
5.3.1. Diskriminierung, Homophobie, Transphobie, Ableismus, etc. vermeiden
5.3.1.1. ich würde hier auch Betroffene von der Außenwelt einladen, beispielsweise als Experten für einen bestimmten Beruf, und unasugesprochen als indirekte Repräsentation der jeweiligen Bevölkerungsgruppen
5.3.1.2. Außeinandersetzung mit der eigenen Person, mit den eigenen Erfahrungen bezüglich Diskriminierung (sollte meiner nach teilweise auch schon in der Volksschule aufgegriffen werden)
5.3.2. untereinander, aber auch mit sich selbst
5.3.2.1. Wertschätzung ist mir persönlich ein großes Anliegen, da dadurch auch ein gutes Miteinander, und ein positives Klassenklima entsteht
5.3.2.2. mit sich selbst ist meiner Meinung nach insofern wichtig, dass mensch sich selbst zu einem gewissen Teil mögen und respektvoll behandeln muss, um die Umwelt respektvoll behandeln zu können
6. Bedeutung von Schule als Raum
6.1. integrative Klassen
6.1.1. laut Kersten Reich wäre es optimal, wenn alle Klassen zumindest bei der Einschulung integrative Klassen wären, es sollte aber darauf geschaut werden, dass keine bestimmten Einschränkungsbilder in der Schule überpräsentiert werden sollten
6.1.1.1. nicht wie spezialisierte Sonderschulen, das Wichtige wäre nach Kersten Reich gerade der integrative Aspekt dieser Klassenform
6.1.1.2. ein interessanter Blickwinkel, von dem ich heute erfahren durfte, ist dass heute eigentlich alle "normalen" Primarstufenklassen gewissermaßen Integrationsklassen sind, da es in jeder Klasse bestimmte Kinder gibt, die mehr, bzw. andere individuelle Bedürfnisse und Vorraussetzungen haben, als die anderen Kinder der Klasse
6.2. Öffnung von Schulen in die Lebenswelt
6.2.1. dislozierter Unterricht
6.2.1.1. Schüler*innen können und sollten auch außerhalb der Schule Erfahrungen sammeln
6.2.1.2. z.B. Exkursionen, Lehrausgänge, Projekttage
6.2.2. Einladen von außerschulischen Personen
6.2.2.1. beispielsweise als Experten
6.2.2.2. in Form von Workshops zu den verschiedensten Themenbereichen
6.2.3. zur Verfügung Stellen der Räumlichkeiten für Erwachsenenbildung, Workshops, etc.
6.2.3.1. auch in unterrichtsfreier Zeit
6.3. neue Raumarchitektur
6.3.1. dezidierte Räume für verschiedene Aktionen/Lernbereiche/Unterrichtsfächer
6.3.2. Räume müssen verschiedenen Bedürfnissen gerecht werden
6.3.3. Lerncluster anstelle von traditionellen Schulklassen
6.3.3.1. in manchen Schulen wurde die Struktur von traditionellen Klassen bereits gänzlich aufgelöst
6.3.3.2. Kersten Reich meint im Text, dass gerade aufgelöstere Strukturen bezüglich Schulklassen ein multiprofessionelles Team an Lehrkräften erfordern, und folglich auch Teamteaching erfordert, ein gutes Beispiel bieten dafür Mehrstufenklassen